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Lyrisches

Gedankenfetzen, Gekritzeltes, Gedichtversuche... ein buntes Sammelsurium verteilt auf diverse Schubladen soll jetzt ans Licht befördert werden. Ich lasse mich selber überraschen, was das so ergibt...

Einsicht

 

Es sind die unerfüllten Wünsche,

die dich ein Leben lang begleiten.

So hab ich jahrelang versucht,

am Strand den Bernstein aufzuspüren,

und immer wieder trug die Hoffnung

mir eine Pfauenfeder zu.

Doch nichts von alledem

hat mir das Leben je vergönnt.

So nimm denn Abschied

von dem kindischen Verlangen!

Geh auf den Rummel,

schieß dir eine Feder

und kauf den Stein beim Juwelier!

Und sagt das Herz dir,

es ist nicht dasselbe,

so trag die Hoffnung

fort von hier.


Auf dem Weg zu mir

 

Auf dem Weg zu mir

ohne Wegweiser

ohne Leitplanke

ohne Landkarte

 

auf dem Weg zu mir

ohne helfende Hand

ohne freundliche Geste

ohne leitendes Wort

 

auf dem Weg zu mir

orientierungslos

ratlos

hilflos

 

"Der Weg ist das Ziel"

sagen sie

dann bin ich am Ziel

auf dem Weg zu mir

 


 

 

Es sind nur die Steine

die bleiben

und die Gedanken

werden zu Steinen

werden abgelagert

in den verborgenen

Kammern der Seele

und zermahlen zu Sand

Sand der aus den Augenwinkeln rinnt

anstelle ungeweinter Tränen


Meine Haut ist eine Schale

hart wie die einer Nuss

Risse in der Fassade

werden mit Worten gekittet

und mit Gesten vertuscht

ein Leben hinter dem Leben


Wortfugen

tönerne Bilder

zurückgeworfen

vom Echo der Stille

verloren

im Gedankenlabyrinth


Im Niemandsland

hin und her geworfen

zwischen den Linien

des Lichtes

gefangen

im Zauber der Schatten


Wenn es keine Hand gibt,

die dich streichelt,

dann vermisst du keine Hand,

aber wenn du weißt,

dass da eine Hand war,

die dich gestreichelt hat,

dann vermisst du diese Hand.

 

Wenn niemand dich anschaut,

dann vermisst du niemanden,

aber wenn du weißt,

dass da ein Paar Augen war,

das dich angeschaut hat,

dann vermisst du diese Augen.

 

Wenn keine Stimme mit dir spricht,

dann sprichst du mit dir selber,

aber wenn da eine war,

die mit dir gesprochen hat,

dann vermisst du diese Stimme.

 

Wo niemand ist

wird niemand vermisst,

aber wenn da eine Stimme war,

ein Paar Augen, eine Hand ...



Der Tod der Mutter - ein Versuch zu trauern -

Was bleibt?

 

Was bleibt von einem Leben?

Ein Berg Klamotten

den Armen gegeben

Fotos im Karton

-bon -

das ist nicht viel


"Warum muss ich jetzt schon gehen,

ich steh doch noch mitten im Leben"

sagt sie mit 96 Jahren

- erfahren -

das war viel


Es ist nichts mehr wichtig,

ich kann ihr nichts geben,

nichts was noch zählt

 - das Leben


Was bleibt?

Erinnerungen? Die versiegen.

Bilder? Die verblassen.

Worte? Wurden nicht geschrieben.

Was ist geblieben?


Und immer wieder diese eine Frage,

was bleibt am Ende aller Tage?

Hat es gelohnt, ergab es Sinn?

Das Leben war kein Hauptgewinn.

Es ist vorbei

und es ist einerlei


 

Sie ist gegangen,

und ich bin gefangen

in der Erinnerung

an ihre letzten Tage.

Was hat sie noch erreicht,

was hat sie noch empfunden?

Die Seele war schon längst entschwunden,

die Augen waren fest verschlossen.

Das Kratzen ihreres Rückens hat sie noch genossen,

ein kleines Grunzen kam aus ihrem Munde

und gab mir Kunde

dass sie mich wohl noch spürte

eh Schlaf sie dann entführte.

Danach hat sie geschwiegen

bis zum Erliegen

allen Lebens.



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Kommentare: 1
  • #1

    Dagmar (Donnerstag, 14 September 2017 21:39)

    ich finde deine Gedichte richtig richtig gut!!!! so auf denPunkt. immer wieder mit nachdenken und dann wird es ganz klar. zum mitfühlen.zum tief atmen oder seufzen. ich finde deine Gedichte richtig richtig gut.