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Von Weihnachtsmann und Seidenraupe

- eine erlebnisreiche Radrundtour zu zwei Berühmtheiten und anderen Schönheiten!

Eine beeindruckende Radtour liegt hinter uns! 50 km ging es auf einer Rundtour durch sehr abwechslungreiche Land- und Ortschaften.

Der Start war in Dannenwalde an der B 96. Ein großer Parkplatz steht zur Verfügung, wenn man mit dem Auto kommt, aber Dannenwalde hat auch einen sogenannten Umweltbahnhof, so dass eine "Anreise" mit der Bahn möglich ist..

Durch Dannenwalde führen sowohl der Radweg Berlin-Kopenhagen, als auch der Havellandradweg.

 

Gegenüber der Kirche auf der Symmetrieachse steht das Herrenhaus Dannenwalde aus dem späten 17. Jahrhundert, das allerdings immer wieder umgebaut wurde. Der jetzige Bau stammt von 1937, verputzt wurde das Haupthaus erst vor kurzem. Wer mehr erfahren möchte, kann hier fündig werden: Herrenhaus_Dannenwalde

 

 

Als erstes fällt der Blick auf die Patronatskirche, ein achteckiger verputzter Ziegelbau im neugotischen Stil, der von 1819-1821 erbaut wurde. Nach 1945 ausgeplündert, verfiel das Haus, insbesondere seit 1975, als es ungenutzt stand. 1998 wurde das Gebäude saniert, und wird durch den Förderverein "Kultur und Kirche am Weg" für Ausstellungen und Konzerte genutzt. Es soll Radfahrern als Einkehrmöglichkeit dienen, allerdings habe ich die Kirche bisher nur geschlossen erlebt.

 

Wir haben das Herrenhaus rechts liegen gelassen und uns auf den Radweg Richtung Bredereiche begeben.. Natur pur mit schönen Weitblicken!


Bredereiche ist ein Ort mit 610 Einwohnern, bis 2003 eine eigenständige Gemeinde, seitdem ein Ortsteil von Fürstenberg. Der Ort wird von der Havel durchflossen, eine Schleuse erleichtert den Schiffsverkehr. Sehenswert ist die Dorfkirche, die 1689 auf dem ehemaligen Dorfanger erbaut wurde. Sie ist ein Beispiel typischer märkischer Fachwerkbauweise. Auch hier sei auf weitere Informationen verwiesen: http://www.bredereiche.de/

Von Bredereiche geht es über eine sanft abfallende Hügellandschaft nach Himmelpfort, der Ort des Weihnachtsmannes! Himmlisch schön – so muss die Landschaft rund um den staatlich anerkannten Erholungsort schon vor rund 700 Jahren auf die Zisterziensermönche gewirkt haben, die sich schließlich an der „Pforte des Himmels“ ansiedelten und ihre Klosteranlage auf der Landzunge zwischen vier Seen errichteten.

Im Zentrum des Ortes befindet sich die ehemalige Klosteranlage, in der gerade eine Ausstellung lief, mit der Ruine der zu Beginn des 14. Jahrhunderts erbauten Klosterkirche, in deren Ostteil 1663 die evangelische Pfarrkirche eingebaut wurde. Zur Schleusenbrücke hin steht die Ruine des sogenannten Brauhauses, das im späteren 14. Jahrhundert als Wirtschaftsgebäude des Klosters entstand. 2010 war das Brauhaus durch einen Brand bis auf die Umfassungsmauern zerstört worden. Zur Zeit wird es wieder aufgebaut und soll als Kulturstätte eingerichtet werden.

Gegenüber befindet sich der Klostergarten, wo man alle möglichen Kräuter erwerben oder sich an ihnen erfreuen kann.

Wunderschön auch der Blick auf den Haussee.

 

Im Jahr 1984 trafen in Himmelpfort erstmals zwei Briefe von Kindern an den Weihnachtsmann ein und wurden durch eine Mitarbeiterin des Postamts beantwortet. Seitdem nahm die Zahl dieser Briefe zu und Himmelpfort entwickelte sich zu einem Weihnachtspostamt. 1995 stellte die Deutsche Post AG erstmals Mitarbeiter speziell für die Beantwortung dieser Briefe ein. Im Jahr 2012 erreichten 292.000 Briefe an den Weihnachtsmann aus rund 70 Ländern Himmelpfort. An ihrer Beantwortung waren 20 Personen beteiligt. Die sogenannte Schreibstube des Weihnachtsmanns befindet sich im Haus des Gastes.


Ein wunderschöner Radweg führt durch unbebaute Natur in Richtung Fürstenberg, umso unvorbereiteter traf uns, was wir dann entdecken mussten. Ein kleines Hinweisschild "Gedenkstätte" zeigte in Richtung eines unbefestigten Wiesenpfades, ein besserer Trampelpfad. Dieser führte uns zu einer noch sehr provisorischen Gedenkstätte des Mädchenkonzentrationslagers Uckermark. Ravensbrück als Frauen-Konzentrationslager ist bekannt, aber von diesem Mädchen-KZ hatte ich noch nie gehört. Es wird zu Recht als vergessenes KZ bezeichnet. Viel ist nicht zu sehen, die Anlage wurde nach dem Krieg "plattgemacht". Große Steinplattenwege lassen erahnen, wo die Baracken standen, Hinweistafeln geben Auskunft über Einzelschicksale. Das ganze Areal wirkt so, als würde es nur sehr laienhaft und mit wenigen finanziellen Mitteln bearbeitet. Und dennoch ein sehr beeindruckender und beklemmender Ort! Wieder zu Hause, war ich erstaunt, als ich bei sofortiger Recherche doch sehr viel Interessantes zu diesem Lager finden konnte:

"Das Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen in der Uckermark wurde im Frühjahr 1942 von Häftlingen des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück errichtet. 1945 zählte das Lager ca. 1000 Mädchen und junge Frauen. Ein Erlass von 1937 über die "vorbeugende Verbrechensbekämpfung" hatte die Inhaftierung von als "asozial" kriminalisierten Mädchen möglich gemacht.

Im Januar 1945 wurde auf dem Gelände ein Vernichtungslager für Häftlinge aus Ravensbrück und anderen Konzentrationslagern gebaut. Bis April 1945 wurden dort ca. 5000 Frauen umgebracht.

Bis heute ist wenig über die Geschichte dieses Konzentrationslagers bekannt. Die dort Inhaftierten zählten lange Zeit zu den "vergessenen Verfolgten" des Nationalsozialismus und haben keine öffentliche Anerkennung erfahren." Siehe hier:  Jugendkonzentrationslager Uckermarck, siehe auch hier: KZ-Uckermark

Für mich waren diese Eindrücke sehr bewegend und verstörend.

Nur wenige Minuten mit dem Rad und wir erreichten das ehemalige Konzentrationslager Ravensbrück.

Da wir die Eindrücke des vorher Erlebten erst noch verarbeiten mussten, radelten wir jedoch weiter.


Nach wenigen Minuten Weiterfahrt, erreichten wir Fürstenberg, die Wasserstadt an der Havel. Dieses Städtchen hätte es sicher verdient, einen längeren Halt einzuplanen, doch dies muss einem anderen Mal vorbehalten sein.

So querten wir die B 96 und radelten nach Steinförde, wo wir im Restaurant Haveleck ein sehr gutes Mittagspäuschen einlegten.

Es folgte ein nicht ganz leicht zu fahrender Waldweg mit dezenter Steigung zu einem sehr schönen Ausblick, dem Augustablick. Er wurde nach der Großherzogin Augusta Caroline benannt, die einst bei Spazierfahrten die Anhöhe mit der schönen Aussicht auf den glasklaren Peetschsee entdeckte.

Der weitere Waldweg führte uns nach Dagow, vorbei am Dagower See, an dem wir nur kurz verweilten.

Mit dem Dagower See hatten wir Neuglobsow erreicht, den Ausgangspunkt für eine Tour um den Stechlin. Dieser See - mein absoluter Lieblingssee - verdient eine Extratour, deshalb haben wir ihm nur einen kurzen Sehnsuchtsblick zugeworfen und radelten weiter nach Menz.


Auch der sehr schöne Ort Menz blieb eine Durchgangsstation, der Eindrücke waren so viele! Und ich wusste, ein Höhepunkt sollte noch kommen: Zernikow. Zur Geschichte Zernikows und den Veranstaltungen, die hier stattfinden, gibt es eine sehr schöne Webseite, deshalb spare ich mir hier nähere Erläuterungen, dort erfahrt ihr auch, was es mit den Seidenraupen und den Maulbeerbäumen auf sich hat, schaut mal rein: Gut Zernikow. Der Ort  hat etwas magisches, und man möchte eintauchen in eine andere Welt.

 

Nach einem sehr schmackhaften Stück Kuchen in der Schänke machten wir uns auf den Weg, diese Tour zu beenden und radelten über Seilershof mit Abstecher zum Wentowsee zurück nach Dannenwalde. Dort verfrachteten wir die Räder auf's Auto und fuhren erfüllt von diesem schönen Tag voller vielfältigster Eindrücke zurück nach Berlin.

Diese Tour war wunderbar! Ich werde sie wiederholen und kann sie euch sehr empfehlen!


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Kommentare: 1
  • #1

    Dagmar (Mittwoch, 27 September 2017 20:03)

    Ich schon wieder. Aber da ich hier mitten in dieser Tour wohne, muss ich einfach wieder mal reagieren: deine Beschreibung und Fotos werden dieser wunderschönen Gegend gerecht! Natürlich könnte Frau immer noch mehr und noch dieses und jenes erwähnen, aber diese Vielfalt zum schauen und fühlen und genießen macht diese Landschaft ja aus. Und eben immer wieder die Geschichte, die ja auch die Menschen hier prägt, in Verantwortung oder eher Verdrängen oder sogar Verweigern: "die Frauen haben auf dem Weg zur (Zwangs)Arbeit doch immer gesungen". Ein bisschen tragen diese sehr gegensätzlichen Eindrücke auch zur besonderen Intensität hier bei, finde ich. Das war nebeneinander, diese liebliche Landschaft, die wunderschönen Seen und die Lager. Und dennoch bewegt diese wunderschöne Gegend auch in vielem und grundsätzlichem einfach das Herz und lässt mich die ständige Freude an der Natur erleben. Danke.