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Murka 2

Bist du neu hier? Dann lies doch erst "Murka". Dieser Artikel hier ist die Fortsetzung. Weitere werden folgen.

Abschied aus dem Tierheim

 

Da saß ich nun in einem engen Transportkorb und wußte nicht wie und was mir geschah. Eine lange Stunde fuhren wir in einem brummenden Gefährt in eine ungewisse Zukunft. Ich weinte die ganze Zeit, das hat meine Gefährtin ganz schön fertig gemacht.

Endlich waren wir in meinem neuen Zuhause.  Mir wurde das ganze Haus gezeigt, Freßplatz (ganz wichtig), Klo (erleichternd), Schlafplatz (na ja, den suche ich mir selber aus)... im Vergleich zu meiner Tierheimbehausung war es das Paradies! Es war schrecklich aufregend, so aufregend, dass ich nicht einmal richtig fressen konnte, weil ich meiner Gefährtin unentwegt hinterher laufen musste. Mich quälte die Angst, das Ganze könnte nur ein Traum sein, der in bösem Erwachen endet. Nachdem das Bespaßungsprogram abebbte - meine Gefährtin ist wohl eine der agilen Fraktion - kehrte endlich etwas Ruhe ein. Sie setzte sich vor einen Kasten, der schrille Töne und viele bunte Bilder erzeugte, und ich mich auf ihren Schoß. Sie streichelte mich (wie schön), sie streichelte mich (nett), sie streichelte mich immer noch (ich will endlich endlich meine Ruhe), sie hörte gar nicht mehr auf zu streicheln ... und jetzt auch noch am Bauch! Da biss ich zu! Dass die Menschen aber auch so schwer von Begriff sind und unsere Signale nicht verstehen. Da musste ich doch deutlicher werden! Meine Gefährtin war schockiert und behandelte mich von Stund an sehr sehr vorsichtig!

Es kam die erste Nacht im neuen Heim. Ein großes, breites Bett stand da, ich sah mich schon genüßlich darin kuscheln, hatte aber die Rechnung ohne die Wirtin gemacht. Ihr glaubt es nicht, sie wollte mich nicht in ihrem Bett haben! Faselte etwas von Hygiene! Ich fasse es noch heute nicht, sind wir Katzen doch reinlicher als jeder Mensch! Habt ihr schon mal gesehen, dass sich ein Mensch so hingebungsvoll abschleckt wie wir Katzen? Manchmal tun sie es ja gegenseitig (die Menschen), aber ich fürchte, das ist noch etwas ganz anderes...

Sie setzte mich mit einer fast kätzischen Beharrlichkeit in ein Katzenkörbchen, von dem ich zwar auf das Bett gucken konnte, aber das ist ja wohl nicht dasselbe. Ich sprang mit der gleichen Beharrlichkeit immer wieder auf das Bett, sie setzte mich immer wieder in das Körbchen. Dies zog sich über Stunden so hin. Ich war mir meines Sieges sicher, habe ich doch eine schier unendliche Ausdauer und Geduld und bin sehr willensstark. Als sie das begriff, warf sie mich aus dem Zimmer und schloss die Tür. Dies unbegreifliche Geschehen konnte ich natürlich nicht hinnehmen, sondern spielte meine ganze Raffinesse aus. Ich gehöre nämlich zu den auserwählten Katzen, die Türen öffnen können, sogar Haustüren! Was heute noch Befremden auslöst, wenn meine Gefährtin nach Eintritt des Gastes die Haustür abschließt. Besonders männliche Handwerker zeigen sich mitunter irritiert...

Ich sprang also mit großem Schwung auf die Türklinke (damals war mein Bauch noch dezenter und meine Sprungkraft größer), und schwups war die Tür auf. Mit dem Gefühl des Triumphes sprang ich ins Bett und - was soll ich sagen - landete wieder vor der Tür. 

Auch dieses Spielchen wiederholte sich viele Male, dann - man muss sich das mal vorstellen - schloss sich meine Gefährtin in ihrem Schlafzimmer ein, und mir blieb nur lautes Weinen und heftiges Kratzen an der Tür. Das lieferte ich den Rest der Nacht ohne Pause. Wenn ich schon nicht mit ins Bett durfte, sollte sie wenigstens kein Auge zu tun. Das gelang mir! Entsprechend war ihre Laune am nächsten Tag. Ich versuchte sie aufzuheitern, in dem ich ihr nicht von der Seite wich, aber mir schwante, dass das nicht die glücklichste Vorgehensweise war... sie wirkte gestresst.

Die zweite Nacht verlief wie die erste. Meine Gefährtin wurde zunehmend zorniger, brüllte mich auch mal an, aber ich blieb beharrlich, was mir abermals eine Nacht vor der Tür einbrachte. Einer Freundin erzählte sie am nächsten Tag, sie überlege, mich ins Tierheim zurückzubringen, weil ich beiße, kratze, nächtelang tobe und schreie.... Angst schlich sich in mein Herz, bewirkte aber nur, dass ich ihr noch hartnäckiger auf den Fersen blieb...

Die dritte Nacht brachte die Wende.

Sie hielt es nicht länger aus, sich in ihrem eigenen Schlafzimmer einzuschließen und wechselte die Strategie. Immer wenn ich in ihr Bett sprang, was ich, meinem Charakter entsprechend, mit ausgeprägter Vehemenz tat, setzte sie mich in mein Körbchen, immer und immer wieder. Ich muss zugeben, diese Ausdauer und Beharrlichkeit...  beeindruckend! Lautes Schimpfen kam hinzu, dann Zorn, und sie warf mich schließlich laut brüllend in hohem Bogen aus dem Bett. Das zeigte Wirkung! Ich ließ jetzt immer eine gewisse Zeit verstreichen, bis leichte Schnorchelgeräusche nahenden Schlaf signalisierten. Leider ließ ich mich immer wieder etwas zu früh hinreißen, dynamisch in ihr Bett zu springen. Sie wurde so giftig, dass ich um meine Zukunft fürchtete! Doch dann änderte auch ich meine Strategie. Ich erinnerte mich meiner Vorfahren und ihrer Jagdmethoden, die ich als Stubentiger noch nicht erproben durfte. Glücklicherweise übernahm meine DNA die Steuerung. I c h    s c h l i c h    m i c h   a n !   Und ich bestieg ganz ganz vorsichtig das Bett und rollte mich sehr sehr vorsichtig am Fußende ein. Sie merkte es, schien mir, aber sie war inzwischen so erschöpft, dass sie nichts unternahm. Sie schlief ein, und darauf auch ich. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, lief ich sogleich freudig zu ihrem Kopf, gab ihr schnurrende Kopfstubser und rollte mich in ihren Arm. Zugegeben, ich machte mir zunutze, dass sie noch nicht ganz wach war. Ihr Widerstand war gebrochen! Ich lag schnurrend in ihrem Arm, tretelte wie wild und sabberte ihr Hemd vor lauter Hingabe voll! Ich wurde gestreichelt und liebkost... Das war der Beginn einer neuen Ära! Das war der Beginn einer großen Liebe!

Ihr kennt das Prozedere... unten in das Kästchen einen Kommentar schreiben, und wenn ihr wollt, geht die Geschichte weiter. Bitte in das Kästchen schreiben (muss nicht viel sein) und keine Mails oder Simsen an meine Gefährtin, ich möchte sie möglichst draußen vor lassen... ihr versteht!

Herzlichst

Eure Murka

Das ist eins meiner ersten Fotos im neuen Heim, noch mit dem Halsband aus dem Tierheim. Praktisch, wenn man die Fotografin gleich im Haus hat.

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Kommentare: 5
  • #1

    Gabriele (Sonntag, 31 Dezember 2017 15:48)

    uff uff
    ich habe tatsächlich beim Lesen dieser Fortsetzung geweint.
    Murkas Einsatz und Hartnäckigkeit besonders Nachts,bei ihrer Retterin schlafen zu können, haben mich so traurig werden lassen.Christel wollte offensichtlich ein Bett ohne Katze ...auch nachvollziehbar. Dieses RINGEN um Nähe und Distanz eben.
    Tatsächlich spürte ich beim Lesen wenig Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft.
    Wie erleichtert ja geradezu glücklich war ich dann über diesen wunderschönen Ausgang.
    DANKE die Geschichte war bzw. ist ja spannender als jeder Krimi...halt eine wahre nahe..
    _____________________________________________
    Das Leben und eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe,
    ich schwör`s euch.
    Rainer Maria Rilke

    noch ein Vers..gefällt mir noch besser

    Ich werde nicht bis an dein Lebensende dein bester Freund sein,
    denn so lange lebe ich nicht....
    aber ich werde es bis an mein Lebensende sein.

    so Ihr wunderbaren 2.
    Passt weiterhin gut auf euch auf.
    Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung..en
    Ich drücke euch herzlich Gabriele




  • #2

    Dagmar (Montag, 01 Januar 2018 19:51)

    ist einfach klasse, und wird immer besser. es geht ja hier nicht um literarische Kritik, aber natürlich hilft eine gute schreibe, mit der Geschichte mitzugehen. Murka, die nicht aufhört, die einfach den längeren Atem hat. wenig warum und weshalb: so ist sie eben. und die Christel auch.
    und natürlich sehr schönes - allerdings nicht überraschendes - Happy End.

  • #3

    Gabriele (Montag, 01 Januar 2018 22:16)

    ob eine schwarze Katze Unglück bringt, hängt
    davon ab, ob man ein Mensch oder eine Maus ist...

  • #4

    Sparrow (Freitag, 05 Januar 2018 09:48)

    Treffend beschrieben und es macht Spaß , dran zu bleiben. Der Schreiberrin ein herzliches Dankeschön, auch wenn ICH nicht so die Katzenfreundin bin, freue ich mich auf weitere Erzählungen aus dem tagebuch von Murka

  • #5

    Gabriele (Freitag, 02 Februar 2018 21:10)

    Liebe Murka,jetzt hab ich mich auch in dich verliebt,du hast Charakter und Durchhaltevermögen,das hab ich gestern gemerkt,als du mir meinen Stuhl abspenstig gemacht hast.Bitte schreib weiter,bin sooooo gespannt.