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Murka 5

Eine letzte Geschichte von und mit Murka!

Mit dieser letzten Runde will ich mich verabschieden, ich bin ein wenig müde.

 

Harte Zeiten liegen hinter mir und meiner Gefährtin. Nicht nur, dass der Zahn der Zeit an uns nagt, auch ansonsten gab es viele schmerzliche Momente. Meine Gefährtin war sehr krank, das hat mich erheblich verunsichert. Aber ich war immer an ihrer Seite, war ganz lieb und habe viel mit ihr gekuschelt, das hat ihr geholfen und uns noch mehr zusammengeschweißt.

 

Viele Abschiede standen an. Meine beiden Kavaliere von gegenüber, zwei fesche junge Kater, die mir schöne Augen gemacht haben, sind verschwunden, wohl weggezogen. Der eine war ja ein Schisser, aber der andere, schwarz wie ich, hat mit einer Ausdauer, die der meinen um nichts nachsteht, um mich geworben. Er lag stundenlang unter dem Auto vor dem Gartenzaun um mich zu beobachten, was ich zwar bemerkte, aber – ganz Dame – natürlich ignorierte. Oder er stolzierte auf und ab und ließ die Muskeln spielen. Ihr kennt mich sicher schon ein wenig, das Ganze war nicht von Erfolg gekrönt. Außer Gefauche und Geknurre und gelegentliches Schlagen gegen den Zaun hat er nichts bekommen. Aber jetzt, wo die beiden weg sind, ist der Unterhaltungswert doch um einiges geringer.

 

Freundinnen meiner Gefährtin verstarben und auch ihre Mama, die ich immer sehr erfreuen konnte, wenn ich mich zu ihr legte (siehe Foto).

 

Meine Gefährtin war oft sehr traurig und es war nicht leicht, sie aufzumuntern. Ich bin ja gar nicht eitel, aber ich glaube schon, dass ich ihr eine große Hilfe bin!

 

Und dann erwischte es mich aus heiterem Himmel. Ich lag mit meiner Gefährtin auf der Couch, sie kraulte genüsslich meinen Bauch, und dann erstarrte sie. Ein dicker Knubbel war zu spüren. Sie zögerte nicht, sofort ging es ab zur Tierärztin. Die war sehr besorgt, fürchtete das Schlimmste, und am Tag darauf wurde ich operiert. Wieder wurde mir der Bauch kahl rasiert. Es war die Hölle! Ich wachte auf, war völlig benebelt und konnte nicht laufen sondern fiel sofort um. Außerdem steckte ich in einem schlauchartigen Gebilde, in dem sich meine Hinterpfoten verfingen. Alles war verschwommen. Meine Gefährtin lag bei mir auf dem Fußboden, sonst ja nicht ihre Art, und versuchte, mich zu beruhigen. Ich wollte nicht still liegen sondern nur raus aus diesem Zustand und robbte verzweifelt durch die Wohnung. Irgendwie habe ich die Nacht überstanden, und am nächsten Morgen hatte meine Gefährtin ein Einsehen und befreite mich von dem Schlauch. Allmählich konnte ich auch wieder laufen, springen ging gar nicht. Meine Gefährtin war immer um mich, hob mich auf die Fensterbretter und setzte mich wieder runter – rührend – die Kommunikation hat mal richtig gut geklappt. Aber ich bin eine Katze und will selbständig und unabhängig sein. So sprang ich in einem unbemerkten Moment im Bad vom Klo (da schaffte ich es gerade noch hoch) auf das Fensterbrett, meinem Lieblingsplatz mit Ausblick auf den Garten – aber ich kam nicht an, stürzte ab und knallte auf den Fliesenboden. Meine Gefährtin drehte durch! Aber Katzen haben bekanntlich sieben Leben, mir ist nichts passiert. Allerdings würde ich schon gerne wissen, wieviele von den Leben ich schon verbraucht habe...

Das Ganze hatte auch was Gutes, ich wurde noch mehr verwöhnt und gehudert und bekomme nur noch das allerbeste Futter und auserlesene Leckereien. Außerdem baute mir meine Gefährtin erste Aufstiegshilfen und einen Cat-Walk bis auf den Kleiderschrank. Jetzt habe ich eine Rückzugsmöglichkeit, wo mich neugierige Menschen schwer erreichen.

Eine Woche lang durfte ich nicht in den Garten, dann wurden die Fäden gezogen, alles war gut verheilt, und ich durfte wieder nach draußen, was ich jedoch nicht so häufig wahrnahm, da der kahle Bauch vor den winterlichen Temperaturen keinen komfortablen Schutz bot. Dann kam der erlösende Anruf der Tierärztin! Der Tumor war gutartig! Meine Gefährtin öffnete ein Piccolöchen, tanzte lachend durch die Wohnung, und ich bekam die eine oder andere Leckerei extra!

Allmählich normalisierte sich unser Leben wieder und verlief in gewohnten Bahnen. Ich nahm meine abendlichen Streifzüge durch den Garten wieder auf. Und da passierte es, ich weiß nicht mehr genau was geschah, ich hatte plötzlich starke Schmerzen und konnte nicht mehr springen. Ich konnte mich meiner Gefährtin nicht mitteilen und zog mich zurück, lag viel oder saß auf dem Fußboden und schaute sie mit glasigen Augen an. Sie geriet zunehmend in große Unruhe, dachte wohl, ich verabschiede mich. Und dann sah sie es! Ich sprang aufs Bett, wollte doch mal wieder zu ihr, da passierte es, mein rechtes Hinterbein war nicht mehr zu kontrollieren und hing unter meinem Bauch. Ich geriet in Panik, meine Gefährtin auch, und ehe ich mich versah, war ich wieder bei der Tierärztin. Die stellte fest, dass meine Kniescheibe zu locker ist und leicht rausspringt. Ihr Menschen sollt das auch haben, dann wisst ihr ja, wie weh das tut! Da ist nichts zu machen, außer einer OP. Erst einmal bekam ich eine Woche lang Schmerzmittel, die außerdem eine Abheilung der Entzündung bewirken sollten. Bei dem Wort OP schrillten bei mir alle Alarmglocken, bei meiner Gefährtin auch. Sie recherchierte im Internet und kam zu dem Schluss, mir solche Strapazen ersparen zu wollen. Stattdessen düste sie zum nächsten Baumarkt und baute mir eine Aufstiegshilfe auf das Bett, damit ich nicht mehr springen muss. Von da gelange ich dann auf meinen Cat-Walk und zu meinen beliebtesten Schlafplätzen. Das ist Liebe!

Die Schmerztherapie schlug an, mein Bein besserte sich, und ich kann wieder ganz gut laufen. Na ja, große Sprünge kann ich nicht mehr machen, aber ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste.

Ein Geschenk bekam ich auch noch, einen Geschicklichkeitsparcour, in dem ich mir Leckerlies erobern kann. Ich stelle mich gar nicht so doof an, wie ich finde...

Und so stapfen meine Gefährtin und ich tapfer durchs Leben, kämpfen mit den Widrigkeiten des Älterwerdens und erfreuen uns an den schönen Dingen des Lebens. Und bald ist es Frühling, dann beginnt eine wundervolle Gartenzeit. Die Federbällchen lärmen schon und spazieren und flattern keck durch meinen Garten. Es wird Zeit, dass ich mich wieder zeige und die Besitzverhältnisse klarstelle!

 

Hiermit möchte ich meine Geschichte beenden, es gäbe noch viel zu erzählen. Aber ich will meinen Lebensabend genießen und mich verwöhnen lassen, die Abenteuer sollen die Jüngeren erleben. Die Betonung liegt auf genießen, also macht euch keine Sorgen!

Sollte sich wieder etwas Spannendes in meinem Leben ereignen, werdet ihr es erfahren!

 

So long, good bye, au revoir, hasta la vista, ciao und tschüss

 

eure Murka

 

PS Zum Abschluss noch ein paar Fotos aus meinen guten Zeiten!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Dagmar (Mittwoch, 14 März 2018 21:48)

    Mensch Murka, das ist ja ein aufregendes und ziemlich dramatisches vorläufiges Ende deiner Geschichte. Ja auch eine Katze ist eben nur ein Mensch und den gleichen Verfallsprozessen und Abschieden ausgeliefert.
    Aber die langsame Änderung deines Charakters im Verlauf der Beziehung zu deiner Gefährtin find ich auch eindrucksvoll. Was für ein liebes und tröstliches Starkes Kätzchen. Und deinen Mut und deine Selbstheilungskräfte kann ich nur bewundern!!
    Tja und du, Christel, hast wieder schöne Bilder entstehen lassen vor dem inneren Auge: wie du mit dem Piccolöchen durch die Wohnung tanzt oder sofort und besorgt zur Tierärztin eilst, das alles ist so lebendig beschrieben, so eindrücklich - toll!!
    Danke!!

  • #2

    Gabi (Mittwoch, 14 März 2018 22:11)

    Danke für die wirklich schöne Geschichte. Ich wünsche euch noch viele tolle Jahre miteinander; vor allen Dingen bei einigermaßen guter Gesundheit.
    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass das Zusammenleben mit einer älteren,bzw. später auch alten Katze noch mal eine ganz andere Qualität hat.
    Und ja, man braucht einander!
    In diesem Sinne, habt eine schöne Zeit zusammen.
    Und wer weiß, vielleicht hat Murka ja irgendwann mal Lust uns weiter an ihrem Leben teilhaben zu lassen.
    P.S. die Bilder sind total schön, das allertollste Bild ist das letzte wo sie uns zuwinkt und „tschüss“sagt. ;-)

  • #3

    Martina (Samstag, 17 März 2018 19:02)

    Liebe Christel,
    Da hast du ja eine sehr poetische Kater, die wunderbar mit Worten umgehen kann.
    Es hat mir viel Freude gemacht, die Erlebnisse von Murki Purki zu verfolgen :-)
    Ich wünsche Euch noch viele wunderbare Jahre, auch wenn der Zahn der Zeit den Lack blättern läßt.
    Egal; Augen zu und durch
    Liebe Grüße

  • #4

    Martina (Samstag, 17 März 2018 19:03)

    KORREKTUR. KATZE natürlich und nicht Kater,
    Tset tset wo hatte ich nur meine Gedanken.
    Wahrscheinlich weil Murki soviel von ihren Lovern verzählt hat.....